Ela in Granada

La vida en Granada – una estudiante geht ihren Weg :-)

La cucaracha, la cucaracha, ya no puede caminar….. November 18, 2007

Filed under: DIARIO — ela13 @ 1:45 pm

Von vielen netten Menschen, die ich hier getroffen habe, habe ich bereits berichtet – doch nicht nur nette Menschen hausen in Granada, auch (mehr oder weniger nette) Tiere, und das vorzugsweise dort, wo die Menschen wohnen. Die einen krabbeln, die anderen fliegen, ja – und es gibt einige von der Sorte, die krabbeln UND fliegen. Ich glaube, ihr wisst, wovon ich rede: Cucarachas!

So hatten wir vor ein paar Tagen einen Besucher, der mit seiner Körpergröße alles übertraf was ich jemals zuvor an Küchenschaben und Kakerlaken gesehen habe. Alles begann mit einem schönen Abend in einer netten Bar. Auf dem Nachhauseweg (voller Vorfreude auf ein warmes Bettchen und Ruhe), rechnete ich mit nichts bösem und schloss gut gelaunt die Haustüre auf und steuerte direkt auf Martas und mein Zimmer zu. Als ich dann in der Dunkelheit einen schwarzen Fleck auf dem Boden sah, hoffte ich zunächst mal, dass es sich um eine optische Täuschung handelt, die auf meinen regelmäßigen Konsum von Tinto de Verano zurückzuführen ist. Also beschloss ich, der Sache auf den Grund zu gehen und schaltete das Licht an – und tatsächlich, da saß sie, riesig, fett und schwarz, ganz gemütlich in der Mitte Martas Zimmer. Wie angewurzelt blieb ich stehen und strengte meine grauen, ein wenig durch Alkohol getrübten Zellen an, denen partout nichts auf Anhieb einfallen wollte. Wie in einem schlechten Westernfilm standen wir uns wie versteinert gegenüber und sahen uns tief in die Augen (haben Kakerlaken überhaupt Augen? Wenn nicht, habe ich wohl woanders hingestarrt). Ich weiß nicht, ob sie auch darauf wartete, dass ich endlich die Pistole ziehe, aber ich wartete auf jeden Fall äußerst angespannt auf eine Reaktion von ihr.

Was zu tun? Nicht mit dem Schuh zertreten, dachte ich, denn dann legt sie ihre Eierchen ab und wir haben bald nicht nur EINEN fetten, schwarzen Fleck auf dem Boden, sondern eine ganzen Teppich von schwarzen Flecken, die sich beim Lichtanschalten wellenartig in ihre dunklen Verstecke zurückziehen. Aber was dann? Aufgrund Ideenmangels entschied ich mich dann doch dazu, meinen Schuh zu zücken und mit einem Schlag und einem Schrei dem Unheil ein Ende zu setzen, sodass ich den Rest der Nacht damit verbrachte, meinen Schuh und Martas Fußboden mit Sagrotan zu desinfizieren und danach die Wohnung akribisch auf weitere Artgenossen zu untersuchen.

Mittlerweile haben wir uns (zwangsweise) für einen anderen Mitbewohner entschieden: sein Name ist Fabio, er wohnt in Martas Zimmer in der Ecke links oben, ist ebenfalls dick und schwarz und von Beruf Spinne. Leider können wir ihn nicht vor die Tür setzen, da in unserem typisch andalusischem Haus die Wände so hoch sind, dass wir beim besten Willen keine Chance haben, ohne Leiter an ihn heranzukommen. So hat der gute wohl einen unbefristeten Mietvertrag. Es wäre schön, wenn er wenigstens zum Mittagessen mögliche neue Cucarachas verspeisen würde, um seinen Mietanteil dazuzusteuern.

Ich bin wirklich froh, dass ich keine Tier-Phobie habe, denn damit ist man hier in Granada schlecht zurecht. Da wäre zum Beispiel der Österreicher Matthias, mein Sitznachbar im Spanischkurs, der ein ernsthaftes Problem mit Tauben hat, die es hier zu genüge gibt. Letzte Woche saßen wir gemütlich nach dem Unterricht auf einer Bank in der Sonne. Die Gemütlichkeit endete abrupt, als eine Taube vor unseren Füßen auf dem Boden landete und fröhlich vor sich hin gurrte. Matthias, ein Kerl wie ein Baum und normalerweise durch kein Wässerchen zu trüben, wurde ganz schön blass um die Nase, mit der Begründung, dass die Taube ja einen ekeligen „Klumpfuß“ habe. („Oh naaa, mir woard’s gaaanz schlächt, des is joa eekliig, hiar koan i nit siatzenbloiben!“) …. Und schwups, war er weg.

Tja, wenn alles, was kreucht und fleucht wenigstens auch so schnell verschwinden würde, hätte ich hier eine Sorge weniger. Leider sind diese Artgenossen dreister – das haben sie sich wohl bei den Spaniern abgeguckt.

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Wie auch ein englisches Wort spanisch werden kann Oktober 29, 2007

Filed under: DIARIO — ela13 @ 5:08 pm

Mensch, da hab ich jetzt aber ganz schön lange nichts von mir hören lassen. Natürlich habe ich keine Schuld, sondern die Muchachos von Telefonica, die uns keinen Internetanschluss verpassen wollen. Die letzten drei Wochentage hat Telefonica seine Filialen gar nicht erst geöffnet, vielleicht haben die schon Angst vor dem großen Ansturm wütender (Noch-)Kunden. Ich bin gespannt. Eigentlich dachte ich, ich hätte schon großzügig gerechnet, indem ich von Ende Oktober ausgegangen bin, aber ich glaube, wenn es vor Weihnachten soweit ist, haben wir für spanische Verhältnisse Glück gehabt.

So ähnlich läuft’s übrigens auch in der Uni: Die Vorlesungen und Übungen dauern hier nicht 1.5 Stunden, sondern nur eine (d.h. man trifft sich lieber an vier verschiedenen Terminen unter der Woche, anstatt 2×2 Doppelstunden abzuhalten, ist ja auch viel praktischer..). Hier sei jedoch erwähnt, dass es sich um eine Stunde BRUTTO handelt. Denn meist kommt der/die Dozent/in 10 Minuten zu spät, dann brauchen sie immer noch ein bisschen, um ihre Powerpoint-Folien zu öffnen, und meist beschließen sie, dass 30 Minuten am Stück geredet genug ist und schließen um zehn vor voll die Stunde. Das macht also einen NETTO-Gewinn von sage und schreibe einer halben Stunde. Ich habe wirklich das Gefühl, dass in Spanien richtig effektiv gearbeitet wird J Witzig ist auch, dass die Spanier sich für jedes englische Wort ein Spanisches suchen und diese Anti-Anglizismus-Strategie auch konsequent durchziehen. So reden die Psychologen hier nicht von Bottom-up und Top-down-Prozessen (wie der Rest der Welt), sondern von abacho-arriba und arriba-abacho (wobei ich unweigerlich an die Spüli-Werbung und die zwei konkurrierenden Dörfer villa-bajo und villa-riba denken musste, die fleißig um die Wette abwaschen). Falls es  einmal nicht möglich ist, ein spanisches Ersatzwort zu finden, z.B. bei Apple-Mac oder Ryan-Air, weigert man sich einfach ganz strikt, die englischen Worte auch englisch auszusprechen. Der Spanier pflegt sie einfach so auszusprechen wie’s geschrieben steht und verleiht dem Ganzen somit eine ganz eigene spanische Note (die für den Rest der Welt so ziemlich unentzifferbar bleibt.)

 

Ansonsten bin ich stolz mitzuteilen, dass ich zwei neue Freunde gefunden habe, die KEINE Erasmusstudenten sind. Clara ist Spanierin und meine neue Tandem-Partnerin für Englisch-Spanisch. Carlos heißt mit Nachnamen – Achtung, alle Dailysoap-Marienhof-Fans aufgepasst – García (hihi) und ist ein waschechter Mexikaner: Er sieht aus wie einer, spricht wie einer, kocht wie einer und hat ein Herz, das größer ist als er selbst. (Was bei seiner Körpergröße auch ehrlich gesagt nicht so schwierig ist). Fast hätte er unserer jungen Freundschaft ein Ende gesetzt, indem er meine nagelneue heißgeliebte Digitalkamera hat fallen lassen, aber zum Glück ist nichts passiert. Sonst hätte es wahrscheinlich einen Mexikaner weniger in Granada gegeben 😉


Ja, qué más? Wetter ist gut, Essen auch, Tinto de Verano erst recht.

In diesem Sinne,

Besitos y abrazos! Lasst von Euch hören!

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Was Du heute kannst besorgen…. Oktober 14, 2007

Filed under: DIARIO — ela13 @ 8:47 pm

Und wieder ein heiliger Sonntag… Ich habe mich schon ein bisschen den traditionellen Gepflogenheiten angepasst, denn ratet mal, wo ich heute war: im Gottesdienst der katholischen Katedrale von Granada. Das war wirklich sehr aufregend, denn ich wurde vor zweierlei Herausforderung gestellt: 1. bin ich evangelisch und kenne mich mit Abläufen katholischer Messen nicht aus (und erst recht nicht mit andalusischen Messen), 2. habe ich aufgrund der suboptimalen Akustik nicht verstanden, was der Priester (Priester?) die ganze Zeit gepredigt hat (naja, vielleicht liegt’s auch an den mangelnden Sprachkenntnissen.).  Also habe ich versucht, mich so unauffällig zu verhalten, wie möglich, und mich an den Verhaltensweisen meiner Bankgenossen zu orientieren. Doch spätestens, als wir uns zum Vater Unser (zumindest GLAUBE ich, dass es das Vater Unser war…) erheben mussten, war’s mit meiner Tarnung vorbei: Ich überragte das betende Volk um mindestens einen (meinen!) Kopf, welcher zu allem Überfluss auch noch blond ist. Ich habe mich gefühlt wie ein trampeliger Germane und habe es dann vorgezogen, besser nicht am Abendmahl teilzunehmen.

Ansonsten schleicht sich hier so almählich der Alltag ein, ich verlerne die deutsche Rechtschreibung und wasche meine Wäsche nicht, denn was Du heute kannst besorgen, das verschiebe doch auf morgen. Das denken sich wohl auch die Leute von der ach so zuverlässigen Telefonica ( unser Vermieter schwört auf diesen Verein), denn eigentlich sollten wir schon seit vorgestern einen Telefonanschluss haben. Dem ist aber leider nicht so.  Also warten wir noch ein bisschen ab und machen Siesta… oder einen Ausflug zum Strand…

 

Du Spanier? Ich Deutsch! Oktober 5, 2007

Filed under: DIARIO — ela13 @ 8:31 pm

Das Leben hier ist toll. Es fehlt nur eins: ein Internetanschluss in unserer Wohnung. Also tun wir seit Tagen Folgendes: Wir gehen von Internetanbieter zu Internetanbieter und handeln mit unserem nahezu perfektem Business-Englisch (mit nahezu unscheinbarem deutsch-polnischem Akzent) tolle Angebote aus. So spielte sich das Szenario jedenfalls in meiner Fantasie ab. Die Realität ist leider nicht ganz so rosig… Es läuft eher so: Wir gehen in den Laden und sagen Hallo (Hola!). Bis hierhin läuft alles wie geschmiert. Dann sagen wir, dass wir Studenten sind und Wifi (so heißt hier das W-lan) in unserer Wohnung wollen. (Somos estudiantes y queremos Wifi en nuestro piso.) Bis hierhin ists meist auch noch kein Problem. Dann kriegen wir eine Antwort, die sich wie ein melodisches Aneinanderreihen von mir unbekannten Silben anhört. Ab und zu haben wir das große Glück, ein paar Worte aus der Buchstabensuppe herauszuhören. Meist endet es so, dass wir ca. 5 Mal darum bitten, das Angebot zu wiederholen (Como? Repiterlo, por favor!), um dann festzustellen, dass es uns zu teuer ist. Na ja. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir noch das Richtige finden werden.

Ansonsten gibts Neuigkeiten aus der Uni. Ausgangspunkt ist, dass wir neben dem Sprachkurs noch 4 Kurse auf unserem Learning-Agreement stehen haben. Der erste Informatikkurs am Montag war noch ganz ok. Ich hab zwar von der Vorlesung nur ca. 10 % verstanden, aber immerhin gabs Powerpoint-Folien, sodass ich nun zumindest im Groben weiß, worum es geht. Nach der Vorlesung redeten wir noch mit dem Professor, um ihm zu sagen, dass wir kein Java programmieren können und nun hat er uns (wahrscheinlich hatte er Mitleid mit uns, denn in der Informatikfakultät sind wir wahre Exoten) in die Kuschel-Übungsgruppe gesteckt, in der wir nun kein Java machen müssen. Er probierte, es auf Englisch zu erklären, doch das war so miserabel, dass wir ihn baten, lieber auf Spanisch zu sprechen.

Den zweiten Informatikkurs (Sistemas multimedias) dürfen wir nicht mehr besuchen, da Java dort Voraussetzung ist, und -wie gesagt – wir davon keine Ahnung haben. Also sind wir mehr oder weniger aus diesem Kurs rausgeflogen. Da waren’s also nur noch 3 Kurse des Learning-Agreements.

Am Donnerstag gings weiter mit der guten alten Psychologie (dort laufen wenigstens normale Studenten herum) . Grupos y Organizaciones stand auf dem Plan und wir waren richtig motiviert. Doch dann stellte sich heraus, dass wir auch diesen Kurs nicht besuchen können, weil dieser über ein ganzes Jahr geht und wir nur ein halbes da sind. Da waren’s also nur noch 2 Kurse des Learning-Agreements.

Donnerstag Abend. Der nächste Psychologie-Kurs, unsere große Hoffnung. Statt der Dozentin kam ein junger Don Juan hereinspaziert und teilte uns in gepflegtem Spanisch mit ,dass die Professorin kurzfristig abhanden gekommen sei (wo sie hin ist, hab ich nicht so richtig verstanden) und der Kurs erstmal nicht stattfindet. So langsam frag ich mich, wie ich meine Creditpoints zusammenkriegen soll. Ich glaub, ich warte einfach mal ab. Fällt mir zwar schwer (was anscheinend typisch deutsch ist), aber hier machen das irgendwie alle so (was anscheinend typisch Spanisch ist). Wie sagen die Spanier so schön: Vamos a ver. Wir werden sehen.

 

Speng-Denglisch mit ein bisschen Polnisch September 30, 2007

Filed under: DIARIO — ela13 @ 3:53 pm

Es gibt großartige Neuigkeiten: ICH HABE EINE WOHNUNG! Und nicht nur irgendeine, sondern DIE perfekte Wohnung! Jedenfalls für mich. Sie liegt mitten im Zentrum, in der Altstadt (Albaycin) in einem typisch andalusischem Haus. Meine Mitbewohnerin heißt Marta, ist ebenfalls Erasmusstudentin und kommt aus Polen (siehe Foto). Wir verstehen uns super, in welcher Sprache auch immer 😉 Wir versuchen’s auf Spanisch, doch meist landen wir im Englischen und ich hab so das Gefühl, dass ich mir jetzt schon (nach 2 Tagen!) einen polnischen Akzent angeeignet habe. Ich hoffe, dass ich mir das nur einbilde. Jedenfalls habe ich jetzt eine Idee davon bekommen, wie neue Sprachen entstehen. Vielleicht gründe ich selbst eine und melde hiermit Patent für polnisches Spengdenglisch an. Im nächsten halben Jahr werde ich genug Zeit haben, um darüber nachzudenken.

Ich kann sogar schon ein paar polnische Wörter: „koc“ (spricht sich wie Kotz, das find ich witzig) heißt „manta“, also Decke. Und „kac“ (Katz), heißt, einen Kater haben. Aber das ist noch längst nicht alles: „Estoy borracha!“ (= Ich bin betrunken) und „Que fuerte!“ (= wie krass!) haben sich ebenfalls in meinen Wortschatz eingeschlichen. Na das kann ja heiter werden, wenn das so weitergeht.

Soweit ist hier nun alles palletti und „muy bonnitto“ (wie Marta ständig sagt) und das wird auch so bleiben. Jedenfalls bis morgen. Denn Dienstag fängt die Uni an. 😉

 

Busco todavia una habitacion September 26, 2007

Filed under: DIARIO — ela13 @ 8:07 pm

Mittwoch. Und ich habe immer noch kein eigenes Zimmer. So langsam fang ich an, mir Sorgen zu machen, denn am Montag fängt die Uni wieder an. Naja, wenigstens kann ich mittlerweile selbst auf Spanisch telefonieren, ich hab also schon dazu gelernt 🙂

Ansonsten gibt’s nix Neues, und da ich heut so wortkark bin, hier einen kleinen Muntermacher:

http://www.carmex-kiss.de/index.php?meintanz=1272875176736 – ich tanze, nur für Euch!!PS: Bitte die Lautsprecher einschalten!

 

Sonntag ist Siesta. Auch für mich. September 23, 2007

Filed under: DIARIO — ela13 @ 10:34 pm

Der Sonntag scheint den Spaniern heilig zu sein. Gefühlte alle fünf Minuten bimmelt eine Kirchenglocke und alle Leute, die man sieht, sind fein angezogen. Außer uns. Wir liegen lieber im Bikini auf dem Rasen der Wohnanlage und lassen uns schräg von alten Seniores angucken. Vielleicht darf man an heiligen Sonntagen nicht halb nackig auf heiligem Gras in heiligen erzkatholischen spanischen Städten herumliegen. Man weiß es nicht. Aber ich werde es bei Gelegenheit rausfinden – wenn ich endlich Spanisch sprechen kann. Das dürfte wohl noch ein bisschen dauern, denn der Sprachkurs beginnt erst am 17. Oktober, genau 17 Tage nach Vorlesungsbeginn. Ich muss zugeben, die spanische Logik ist mir noch nicht so ganz erschließbar geworden.
Von meinen erhofften zukünftigen MitbewohnerInnen habe ich heute leider nichts gehört. Hab mich auch heute nicht gewagt, anzurufen – wegen des heiligen Sonntags. Morgen geht’s aber wieder fleißig auf Zimmerbesichtigung, zwei Termine habe ich schon. Ansonsten gehts mir auch blendend – trotz Matschauge und diversen anderen Wehwehchen. In diesem Sinne: Buenas noches!